Asklepios kündigt Pflegerin - Kritik aus der Zivilgesellschaft

Nachdem der Asklepios-Konzern einer Pflegerin und Aktivistin der Hamburger Krankenhausbewegung gekündigt hat, melden sich nun Prominente und Akteure aus der Hamburger Zivilgesellschaft zu Wort. Unsere Pressemitteilung vom 29. Dezember 2020:

 

„Hört auf die Beschäftigten!“ – Krankenhaus-Bündnis und 25 zivilgesellschaftliche Organisationen richten Appell an Senat und Klinikbetreiber

 

Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft melden sich im Streit um Hamburgs Krankenhäuser zu Wort. Auf eine Pressekonferenz von Beschäftigten Mitte Dezember war eine öffentlich ausgetragene Kontroverse mit den Asklepios Kliniken gefolgt, die schließlich in die Kündigung einer Pflegerin durch den Konzern mündete. Nachdem sich auch die Sozialbehörde hinter Asklepios gestellt hatte, fordert nun das Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus, gemeinsam mit 25 Organisationen, Initiativen und Bündnissen aus der Zivilgesellschaft, in einem Appell an Senat und Klinikbetreiber: „Hört auf die Beschäftigten!“

 

Wir finden die Kündigung ebenso wie die Reaktion des Senats empörend! In der aktuellen Situation sollten wir als Gesellschaft hinter den Pfleger*innen stehen, die unter inakzeptablen Bedingungen und unter Inkaufnahme der Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit alles dafür tun, möglichst viele Menschenleben zu retten“, erklärt Gudrun Nolte vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Nordkirche (KDA) für das Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus. Das Bündnis fordert Asklepios auf, die Kündigung sofort zurückzuziehen. Der Senat mit seiner Beteiligung von 25,1 % an den Asklepios Kliniken Hamburg müsse darauf hinwirken. „Es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb Pflegekräfte die Situation auf ihren Stationen anders darstellen sollten, als es Frau Knezevic getan hat. Solche und ähnliche Situationen sind bekanntermaßen bundesweit zu finden", so Constanze Weichert vom Bündnis, selbst Gesundheits- und Krankenpflegerin.

 

Die Erklärung wird u.a. unterstützt vom AStA der Universität Hamburg, dem Gängeviertel, dem Netzwerk Recht auf Stadt, der Poliklinik Veddel und dem Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte. Der Autor und Musiker Rocko Schamoni und Prof. Dr. Annita Kalpaka, Professorin für Soziale Arbeit an der HAW, stellen sich ebenso hinter die Forderungen wie Mitarbeiter*innen aus Kirchen und der Gemeinwesenarbeit. Sie alle rufen den Senat und die Klinikbetreiber dazu auf, mit den Beschäftigten in einen Dialog zu treten.

 

Kritik mundtot machen zu wollen, kennt man sonst nur von autoritären Regimen. Unglaublich, was da gerade passiert – und das zu einem Zeitpunkt, wo alle Menschen auf die Krankenhäuser schauen und hinter den Pflegekräften stehen sollten“, betont Weichert für das Bündnis. Rocko Schamoni schließt mit einem Appell: „Unser Gesundheitssystem wurde durch Einsparungen im Zuge kapitalistischer Gewinnmaximierung bereits stark erodiert, die Anstrengungen der Pandemie werden nun auf dem Rücken der verbliebenen Fachkräfte ausgetragen. Das muss sofort aufhören: Supportet unser Personal in den Krankenhäusern - sie sind die Retter in der Not - wir sollten zu ihnen stehen!

 

Die ganze Erklärung mit allen Unterzeichner*innen finden Sie hier.